Schneetreiben Stefan Holtkötter

Silbergrau, Blutige Spiele Tom Wolf  
  Selbstauslöser Michael Lister Small World Martin Suter  
  Die 7. Stunde Elisabeth Herrmann Späte Rache  Henricke Heiland  
 

 

 

Schneetreiben Stefan Holtkötter

 

Als Martin Probst, ein junger Sexualstraftäter, aus dem Gefängnis flieht, vermutet die Polizei ihn bei seiner Adoptivmutter im münsterländischen Birkenkotten. Doch noch ehe man ihn stellen kann, wird im Dorf eine junge Frau vergewaltigt und erdrosselt aufgefunden, und der Verdacht richtet sich gegen Martin Probst. Und dann spielt plötzlich das Wetter verrückt, das westliche Münsterland versinkt im Schneechaos. Die Bauernschaft ist tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, mittendrin Hauptkommissar Hambrock. Der nutzt die Zeit, um möglichen Mordmotiven auf den Grund zu gehen und treibt damit den Mörder immer mehr in die Enge. 

 

Ländliche Idylle

Birkenkotten ein kleines beschauliches Dorf im Münsterland. Eine Dorfgemeinschaft wo jeder jeden kennt, über seine Ängste und Sorgen genauso Bescheid weiß, wie über die Freuden und Glücksmomente. Sechs Jahre ist es her, das die Idylle hier den ersten Riss bekam. Eine Vergewaltigung, Opfer und Täter zusammen in dieser Dorfgemeinschaft aufgewachsen. Nur langsam verheilen die Narben und dann geschieht das unfassbare noch einmal. Nur diesmal wird das Opfer nach der Vergewaltigung erdrosselt.

 

Ganz behutsam führt uns der Autor, Stefan Holtkötter, in diese Dorfgemeinschaft ein. Mit klaren Sätzen und einer schnörkellosen Sprache schafft er es sehr genau und einfühlsam von den Menschen dieser Region, ihren Lebensumständen und ihren Eigenarten, ihren menschlichen Schwächen und ihren Ängsten zu berichten. Man fiebert mit den Personen, nimmt an ihrem Leben teil und versucht mit Hauptkommissar Hambrock den Mörder zu überführen.

 

Schneetreiben ist ein Krimi der durch seine leisen Töne einen Sog erzeugt, dem man sich nicht entziehen kann und wo das Ende noch lange nachhallt. Nicht nur für Münsterland Fans ein Genuss.

 

 

Stefan Holtkötter
Schneetreiben
Piper TB 11/2008

 


  Selbstauslöser Michael Lister

Als Fotograf Remington James in die Wälder Floridas aufbricht, hat er eigentlich nur ein Ziel: den Schnappschuss seines Lebens zu machen. Er weiß nicht, dass ein gnadenloser Existenzkampf auf ihn wartet.

Schrecken einer Nacht

Remington James kehrt nach dem Tod seines Vaters zurück in seine Heimatstadt im ländlichen Florida um seine Mutter zu unterstützen und den Jagdausrüsterladen seines Vaters weiterzuführen. Hier entflammt seine alte fast vergessene Leidenschaft wieder auf: die Fotografie. An diesem späten Nachmittag begibt er sich in die Wälder seiner Familie um seine Kamerafallen zu kontrollieren und das eine vollkommene Bild zu machen. Als er bei seinen Fallen ankommt entdeckt er das sie einen Mord aufgenommen haben und das der Mörder immer noch an Ort und Stelle weilt.

Michael Lister beschreibt die gnadenlose Jagd des Mörders und die Flucht des Fotografen mit einer eigenwilligen Sprache und doch sehr anschaulich. Kurze Absätze die z.B. so beginnen:

 "Heller Mond.

Höllisch kalt.

Herbstnebel."

 

und eine fast minimalistisch anmutende Sprache lassen den Leser erst einmal stocken. Lässt man sich darauf ein hat man das Gefühl man schaut sich die Bilder des Fotografen an, denn für ihn geht es in der Fotografie nicht darum, möglichst viele Bilder zu machen sondern um das, was man visualisieren kann, bevor man die Kamera überhaupt zur Hand nimmt. (...) Auf einen Knopf drücken und ein Bild machen kann jeder. Seine Ambitionen sind künstlerisch. Und genau dieses Ideal vermittelt der Autor mit seinem eigenwilligen Sprachstil.

 

Und während dieser einen Nacht lernt man in kurzen Momentaufnahmen den Hauptprotagonisten kennen, sein kompliziertes Verhältnis zum Vater, seine gescheiterte Ehe, seine Liebe zur Natur und dazwischen, immer wieder das schleichende Gefühl des Grauens, was sich langsam aber beständig im Kopf festsetzt.

 

Selbstauslöser ist einer jener Romane, die einem noch lange im Kopf rumspuken, wer aber einen rasanten, actionreichen Thriller erwartet, dem sei von diesem Buch abzuraten.

 

 

 
Michael Lister
Selbstauslöser
Hoffmann und Campe 09/11
HC 19,99 €
 
 

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Die siebte Stunde  Elisabeth Herrmann

Ein mörderisches Spiel, ein rätselhafter Selbstmord und ein quälendes Geheimnis: Als Anwalt Joachim Vernau an einer Privatschule eine Jura AG übernimmt, begegnen ihm die Schüler voller Vorbehalte. Als er herausfindet, was hinter ihrem Schweigen steckt, ist es fast zu spät. Ein eindringlicher Kriminalroman um Schuld und Verantwortung und die Hilflosigkeit aller angesichts dessen, was nicht sein darf. 

Die schwarze Königin

Gemeinsam mit seiner langjährigen Freundin und platonischer Liebe, Marie-Luise, hat Joachim Vernau eine Anwaltskanzlei gegründet. Die selten Kundschaft ist ebenso Pleite wie er und seine chaotische Partnerin. Unverhofft erhält Vernau das lukrative Angebot. Doch hinter der glänzenden Fassade tun sich Abgründe auf. Der Selbstmord eines Mädchens lastet wie ein Schatten auf den Schülern. Noch seltsamer wird es, als einige Mitschüler Mitteilungen auf ihr Handy von dem Handy der Toten bekommen, gekennzeichnet mit "Schwarze Königin". Doch Vernau bekommt heraus, dass der Tod der Schülerin etwas mit Rollenspielen zu tun hat, die eine weitaus größere Macht auf die Gruppe haben, als er denkt.

Ähnlich wie in ihrem Debütroman "Das Kindermädchen" verknüpft Elisabeth Herrmann hier wieder Fiktion mit Wirklichkeit. Ihr kommt zu gute, dass sie als Journalisten an genaue Recherchearbeit gewöhnt ist, denn dieses genaue Hineinversetzen in die einzelnen Personen und die Aufklärung über das "Live Action Roll Plays", schafft man nur, wenn man sich intensiv mit der Szene beschäftigt hat. Wenn man eine einfallsreiche Story, die sehr humorvoll und bis in die Nebenhandlungen, spannend inszeniert ist, sucht und sich nebenbei noch von der lebendigen Atmosphäre Berlins gefangen nehmen lassen möchte, ist man mit der siebten Stunde von Frau Herrmann mehr als gut beraten.

 

Elisabeth Herrmann
Die 7. Stunde
Ullstein 01/2009
TB 8,95 €  

 

 
 

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Silbergrau, Blutige Spiele  Tom Wolf

 

Juli 1743. Friedrich II., mit Österreich im zermürbenden Krieg um Schlesien, sinnt auf Erholung. Doch die wird ihm nicht gegönnt. Seiner neuen Berliner Oper fehlt eine Tänzerin, denn die frisch engagierte Barbera Campioni weigert sich, nach Berlin zu kommen und zieht es vor, bei ihrem Geliebten in Venedig zu bleiben. Als außerdem Pepperoni, Lieblingskastrat des Königs eines gewaltsamen Todes stirbt, vermag nur Honoré Langustier Berlins Opernglück wieder herzustellen. Der Zweite Hofküchenmeister des Königs, ebenso hungrig wie scharfsinnig, reist zu Ermittlungen in allerhöchstem Auftrag nach Venedig.

 

 

Tom Wolf
Silbergrau
Bebra 10/2004
TB 9,90
 
 

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Small World Martin Suter

"Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin"

Das Leben des reichen Fabrikantensohns Thomas Koch und das seines ärmlichen Freundes aus Kindertagen, Konrad Lang, hat sich nie sehr weit auseinander entwickelt.

Konrad war stets zur Stelle, wenn Thomas nach ihm verlangte. Mittlerweile sind die beiden sechzig und Konrad hat immer mehr Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis. Nachdem er das Ferienhaus der Familie Koch aus Unachtsamkeit abbrennen ließ, reist er zu Thomas, da ihn immer mehr Kindheitserinnerungen plagen. Die betagte Mutter von Thomas, Haupt der Familie und unumschränkte Alleinherrscherin, möchte um keinen Preis, daß die Vergangenheit nochmals heraufbeschworen wird -- aus gutem Grund.

Small World ist ein verwickeltes Familiendrama, das bis in die Zeit des Nationalsozialismus reicht, eine medizinische Fallstudie über Alzheimer und nicht zuletzt ein spannender Thriller. Die bewegende Geschichte eines Mannes, den es auf ungewöhnliche Weise in seine Vergangenheit zieht. Zu einem dramatische Geheimnis. Small World ist Fallstudie, Gesellschaftsroman und Thriller in einem.

 

Martin Suter
Small World
Diogenes Verlag 2000
9,90 €

 

 
 

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Späte Rache Henrike Heiland

Manche Wunden heilen nie. Und bluten immer weiter…
In der Nähe der Rostocker Neptunwerft wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, der man sämtliche Knochen gebrochen hat. Sie wurde gerädert, wird Hauptkommissar Erik Kemper und Kriminalpsychologin Dr. Anne Wahlberg bald klar. Doch es kommt noch schlimmer: Wenig später gibt es ein weiteres Opfer – zu Tode gequält und gekreuzigt. Ohne nennenswerte Spuren beginnt Anne ihre Recherchen und erkennt, dass die Wurzeln der Morde weit in die Vergangenheit zurückreichen.

Tatort Rostock

Rostock ist bisher als Schauplatz in der Krimilandschaft nicht zu finden gewesen. Diesen weißen Fleck hat Hendricke Heiland mit einem spannenden Krimiplot, ungewöhnlichen Ermittlern und deutsch-deutscher Geschichte farbig besetzt.

Ihr Ermittler Duo arbeitet auf recht unkonventionelle Art und Weise, denn die Kriminalpsychologin Dr. Anne Wahlberg besitzt emphatische Fähigkeiten. Hauptkommissar Erik Kemper hat anfänglich so seine Schwierigkeiten mit der hellsehenden Kollegin, aber nach und nach werden die beiden ein richtig gutes Team, welches dem Leser so manches Schmunzeln entlockt.

Die Morde, alle mit mittelalterlichen Foltermethoden ausgeführt, sind wahrlich nichts für zartbeseitete, aber auch hier bewies die Autorin Fingerspitzengefühl. Die Art der Tötung wird erwähnt, aber nicht in allen Facetten ausgemalt.

Alles in allem ein rundum gelungenes Debüte, welches nicht nur den Ostseeurlaubern eine schlaflose Nacht bescheren wird.

 

Henrike Heiland

Späte Rache

Bastei Lübbe
Juni 2006
7,90 €